Stups, Retter der Sonne

Es war einmal eine große Mäusefamilie. Da war Papa Maus mit Mama Maus, Opa Maus und Oma Maus und viele kleine Mäuschen mit vielen lustigen Namen. Eines davon hieß Stups. Er war der kleinste, aber auch der lustigste und mutigste. Die Mäusekinder spielten jeden Tag vor ihrem Haus, draußen im Garten. Meistens paßte Mama Maus auf, daß sie sich nicht so weit weg vom Haus entfernten, denn am anderen Ende des Mäusedorfes stand ein großer Berg, in dem ein großer und gefährlicher Drachen wohnte. Zwar hatte der Drachen noch keines der Dorfbewohner bedroht oder gar gefressen, aber trotzdem war man auf der Hut, denn keines der vielen Mäuse hat ihn jemals gesehen. Der Drachen war nur nachts unterwegs, wenn alle im Dorf schliefen, und am Tag kam er nie aus seinem Berg heraus.
Es war wie immer ein schöner Sommertag. Die Mäusekinder spielten im Garten und sangen ihre Lieder. Stups streckte seine Zunge heraus und rief: „Bäh, du böser Drache, fang mich doch, bäh, du böser Drache, du kriegst mich nicht.“

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Im Berg schlief der Drachen. Sein Bett war über und über mit Bettzeug belegt, denn dem Drachen war es immer sehr kalt, und er fror unheimlich. Manchmal zitterte er so stark vor Kälte, daß der ganze Berg bebte. Wieder einmal bibberte er so vor sich hin, da beschloß er, daß es nun mit der Kälte in seinem Berg vorbei sein müsse. Er heckte einen teuflischen Plan aus. Er dachte so bei sich: „Wenn morgens die Sonne am Horizont aufgeht, werde ich mich auf die Lauer legen und dann die Sonne in meinen Berg entführen. Dann habe ich es hell und warm und brauche nicht mehr zu frieren.“
Gesagt, getan. Noch war es finstere Nacht, und alle kleinen Dorfbewohner schliefen tief und fest, als der Drachen sich auf den Weg in Richtung Horizont machte. Dort angekommen, setzte er sich hin und wartete, bis die Sonne ihre ersten Sonnenstrahlen in Richtung Himmel schickte.
Langsam, ganz langsam blickte Frau Sonne über den Horizont und schaute mit verschlafenen Augen über das Land. Das war der Moment, als der Drachen zusprang und die Sonne mit einem Haps verschlang und herunterschluckte. Dann flog der Drachen schnell zu seinem Berg zurück, öffnete sein großes Bergtor und verschloß es wieder fest, als er drinnen in seiner Bergbehausung war. Dort spuckte er die Sonne wieder aus und setzte sie in eine Ecke, aus der ihre Sonnenstrahlen und ihr helles Licht am besten sein Bett erwärmen konnte. Keines ihrer Sonnenstrahlen konnte aus dem Berg entweichen, denn der Drache hatte alles verriegelt.
Unten im Dorf wachten die ersten Mäuse auf und schauten verwundert aus ihren Fenstern. Es war immer noch finstere Nacht. Nur die Sterne am Himmel funkelten. „Wie kann das sein,“ fragten sie sich, “wir sind doch alle ausgeschlafen und wach? Wo ist Frau Sonne, ob sie wohl verschlafen hat?“
Aber nichts geschah, es blieb dunkel und kein Lichtstrahl erhellte ihr schönes, kleines Mäusedorf.
So gingen viele Nächte ins Land, denn Tage gab es ja nicht mehr. Keines der Mäuschen spielte im Garten, und kein Lachen war zu hören. Der kleine Stups wollte sich damit nicht abfinden und grübelte immer wieder nach, welche Ursache es wohl haben könnte, daß es keinen Tag mehr gibt, und sich Frau Sonne nicht mehr sehen läßt. So faßte er den Plan auf Wanderschaft zu gehen, um den Grund dafür zu erforschen. Stups packte seinen kleinen Rucksack mit all seinem Hab und Gut ein, darunter waren ein paar Schuhe zum Wechseln, ein dicker Schal gegen die Kälte und ein Tütchen mit Pfeffer. Ja, Pfeffer brauchte der Stups, den liebte er über alles. Er schmeckte gut und man konnte mit ihm auch so manchen Schabernack treiben.

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Er verabschiedete sich von seiner Familie und machte sich auf den Weg. Erst ging er durchs Dorf, dann über eine große, weite Wiese. Es war kein anderes Tier zu sehen, alle schienen zu schlafen oder waren in ihren Behausungen, denn die Nacht fürchteten sie. So ging der kleine Stups immer gerade aus durch einen tiefen Wald, und er mußte auch durch einen kleinen Bach schwimmen. Aber solange er auch
wanderte, es war niemand zu sehen, den er fragen konnte, wo die Sonne geblieben ist. Nur die Sterne waren seine Wegbegleiter.
So kam er langsam aber sicher am Fuß des Berges an, in dem der Drachen wohnte. Stups zog es einen Schauer über den Rücken, wenn er daran dachte, was der Drache mit ihm alles machen könnte. Er faßte seinen Mut zusammen und klopfte mit all seiner Kraft gegen den Berg und rief:“ Herr Drache, ich möchte sie gerne was fragen, würden sie bitte öffnen?“
Der Drache drinnen schäumte vor Wut, denn er hatte gerade tief und fest geschlafen. „Wer da,“ rief der Drache, “wer wagt es, mich in meinem Schlaf zu stören?“ Stups schluckte ein paar mal kräftig um so seine Angst zu überwinden und erwiderte: „Mein Name ist Stups, und ich bin auf der Suche nach der Sonne, haben sie sie gesehen?“
Da öffnete sich der Berg und helles Sonnenlicht trat heraus und machte alles um Stups herum hell und warm. „Aha,“ dachte der sich, „der Drachen hält die Sonne im Berg gefangen. Ich muß sie befreien, egal, was es kostet.“
Als der Drachen heraustrat, bebte die Erde, und der ganze Berg wackelte. „Die Sonne ist mein Gast“, brüllte der Drachen, „und sie bleibt solange hier, wie ich es will oder hast du was dagegen, du kleiner Bissen du?“
Der kleine Stups fing an zu stottern und sagte mit zitternder Stimme: „Aber Herr Drachen, wozu brauchen sie denn die Sonne? Die Menschen und Tiere hatten seit Wochen keinen Tag mehr und frieren, sie dagegen können sich es doch selbst schön hell und warm in ihrem Berg machen.“
„Wie soll das denn gehen,“ donnerte der Drachen zurück, „immer habe ich gefroren und konnte vor Kälte nicht einschlafen. Jetzt kommst du daher und sagst, ich könnte meine Bergwohnung selbst heizen und hell erleuchten lassen, so wie die Sonne es für mich tut?“
„Aber ja doch“, sagte Stups, „ihr seid doch ein Drachen und habt die Gabe Feuer zu speien.“ „Ich kann das nicht“, brüllte der Drachen, „hat mir auch keiner gezeigt, wie so etwas gehen sollte. Nun verschwinde von hier, ich will weiter schlafen.“
Der Drachen wollte sich gerade umdrehen, um in seinen Berg zu verschwinden, da holte der kleine Stups schnell etwas Pfeffer aus seinem Ranzen heraus und blies es dem Drachen direkt in die Nase.

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Der blieb wie versteinert stehen und schaute den Stups ganz verwundert an. Seine Nase fing fürchterlich an zu jucken. Mehr und immer mehr. Dann musste der Drachen niesen, er brüllte ein lautes “Hatschi“ heraus, und aus seiner Nase schoß ein riesiger Feuerball.
Erst war der Drachen ganz verdutzt, dann begriff er. Er konnte also Feuer speien, wie es all seine Vorfahren getan hatten. Er drehte sich im Kreis und rief vor Freude: „Ich kann Feuer machen, ich kann Feuer machen.“ „Sehen sie, Herr Drache,“ sagte Stups, „das habe ich damit gemeint, als ich sagte, sie können ihre Wohnung selbst beheizen. Gebt doch nun bitte die Sonne wieder frei, damit wir uns alle an ihr erfreuen und erwärmen können.“
Der Drache war so glücklich darüber, daß er den Wunsch vom kleinen Stups sofort erfüllte und die Sonne aus den Berg befreite. Zum Üben und als Dankeschön überreichte Stups dem Drachen den restlichen Pfeffer und machte sich fröhlich pfeifend und im hellen Sonnenlicht auf den Heimweg in sein kleines Dorf. Dort angekommen, erzählte er von seinem Abenteuer mit dem Drachen, und alle feierten den kleinen Stups als Held und ließen ihn hochleben. Von nun an hieß er Stups, kleiner, tapferer Retter der Sonne.

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Ende
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