Die kleine Kräuterhexe Mimi



Das Land, in dem die kleine Kräuterhexe Mimi lebte, wurde von einem guten und großherzigen König regiert. Er war darauf bedacht, dass es allen seinen Untertanen gut ging und es ihnen an nichts fehlte. Er wohnte in seinem schönen Schloss und die Mimi hatte ein kleines, von vielen Blumen umgebenes Häuschen. Jeden Tag ging Mimi in den Wald und sang fröhlich ihr kleines Lied:
.
.
„Ich sammle hier mein Kräutlein,
bedächtig und in Ruh,
damit ich andren Menschen,
und mir selbst auch etwas Gutes tu.“
.
Wenn sie dann genug gesammelt hatte, ging sie zum Markt und verkaufte ihre Kräuter. Jeder hatte sie gerne, denn sie war nicht nur liebenswert, sondern auch eine hübsche kleine Hexe.
Es kam der Tag, an dem der junge Königssohn schwer erkrankte und kein Arzt im ganzen Land vermochte ihn zu heilen. Da besann sich der König auf die kleine Mimi und holte sie zu sich ins Schloss.
Er sagte: „Mimi, deine Kräuter sollen Wunder bewirken, kannst du meinem Sohn helfen?“
Die kleine Kräuterhexe versuchte es mit all ihrer Kunst und kochte ein Süppchen nach dem anderen, aber keines Ihrer Kräuter half gegen die tückische Krankheit. Der König schickte sie traurig nach hause und war sehr verzweifelt. Es sandte Boten aus, die überall verkünden sollten, dass demjenigen, der seinen Sohn heilen könne, das halbe Königreich geschenkt wird. Die kleine Mimi war sehr unglücklich darüber, dass ihre Kräuter nicht helfen konnten. Sie setzte sich an ihren Kamin und überlegte, was sie eventuell falsch gemacht haben konnte.
Leise, ganz zaghaft, klopfte es an ihrem Fenster. Sie ging hin und öffnete es. Eine kleine Elfe flog in ihr Zimmer und schwirrte aufgeregt hin und her.
Mimi fragte: „ Kann ich dir helfen, möchtest du ein Kräutlein?“ „Nein danke“, sagte die Elfe, „ aber ich kann dir helfen. Wenn du den Königssohn erretten willst, brauchst du das Sonnenkraut, das nur im Garten der Elfenkönigin wächst.“
„Im Garten der Elfenkönigin?,“ fragte Mimi, „aber wie soll ich denn da hinkommen?“ Die Elfe sagte:“ Ich werde es dir verraten, aber bedenke, es ist ein schwieriger und gefährlicher Weg dorthin. Du kannst den Weg auch nur mit verbundenen Augen gehen, denn niemand, niemand darf den Weg dorthin kennen, geschweige dennoch sehen. Verbinde deine Augen und gehe zum Kristallberg. Dort wohnt unsere Königin und bitte sie um das Sonnenkraut. Sie
weiß um des Königssohns  Krankheit und wird dir helfen. Aber bedenke, wenn du deine Augenbinde löst, wirst du niemals mehr zurückkehren können.“
Die kleine Elfe flog aus dem Zimmer und die kleine Mimi war vor Aufregung ganz durcheinander. Gleich morgen wollte sie sich auf den Weg zur Elfenkönigin machen und um das Kraut bitten.
Beim Morgengrauen riss sich die Mimi einen Fetzen Stoff aus ihrem Rock, verband sich die Augen und machte sich auf den Weg.

.

.
Oh, arme Mimi, wie schwer war das Gehen in der Dunkelheit. Sie stürzte und ihre kleinen Knie waren aufgeschlagen. Schritt für Schritt tastete sie sich vor zum Wald. Dort angekommen, flüsterte sie unter großen Schmerzen:                      
.
„Ihr Tiere im Wald, ob groß, ob klein,
ihr sollt mir eine Hilfe sein.
Der Wald zu hoch, der Wald zu dicht,
alleine find den Weg ich nicht.“
.
Die Tiere des Waldes, Häschen, Rehe und auch die Füchse halfen der kleinen Kräuterhexe und alle riefen: „Hier entlang kleine Mimi, hier entlang.“
So brauchte sie nur ihre Arme nach vorne zu strecken und konnte mit Hilfe der Tiere durch den Wald laufen, ohne dass sie stürzte.
Als sie den Wald durchquert hatte, bedankte sie sich bei allen Tieren und musste weiter über eine große Wiese.
Die kleine Mimi sprach:
.
„Ach, ihr Blümchen, verstreut mir euren Duft,
verwöhnt mir Luft und Näschen,
weil ich den Weg so finden muss.
Kann nichts sehen, dunkel ist es wie bei Nacht,
und so wird es bleiben,
bis ich das Sonnenkraut gebracht.
.
Alle Blumenkelche öffneten sich und strömten ihren schönsten Duft aus. Die kleine Mimi holte durch die Nase tief Luft und ging ohne zu zögern immer gerade aus, immer der Nase entlang, ohne zu stolpern und ohne sich zu verletzen. Als sie die Wiese hinter sich gelassen hatte, bedankte sie sich bei den Blumen und setzte ihren Weg weiter fort.
An einem Bach angekommen, sagte sie zu diesem:
.                  
„Oh, du Bächlein, oh, du Bach,
ich muss dich überqueren, drum werde für mich flach.
Lass Steine mir den Weg geleiten,
damit ich sicher kann dich überschreiten.“
.
Das Wasser des Baches flog langsam ab und große Steine kamen zum Vorschein. Die kleine Mimi hüpfte vorsichtig von einem Stein zum anderen, bis sie ans andere Ufer gelangte.
„Danke, lieber Fluss“, sagte sie und ging langsam weiter. Plötzlich hörte Mimi eine Stimme, die sich anhörte, als spreche ein Engel zu ihr: „ Hier ist dein Weg zu Ende. Du kannst jetzt deine Augenbinde abnehmen. Als Mimi das tat, musste sie sich erst einmal die Augen zuhalten, denn alles war so hell und blendete sie.
Langsam, als sie sich an das Licht gewöhnte, staunte die kleine Kräuterhexe, denn was sie da sah, hatte sie in ihren schönsten Träumen noch nicht gesehen. Sie stand vor einem Berg der aus purem Kristall war. Er funkelte im Sonnenlicht in Tausenden von Regenbogenfarben und schien voll mit Diamanten besetzt zu sein.
Mimi klopfte an das große Tor, das zum Eingang des Berges führte und trat voller Ehrfurcht ein. In der Mitte des Berges saß die Elfenkönigin auf ihrem Thron. Sie war so schön, dass die kleine Mimi ganz verzaubert war. Sie hatte
langes, goldenes Haar, auf dem eine Krone saß, die heller als die Sonne leuchtete.
Die Königin sprach zur kleinen Mimi: „ Ich habe dich erwartet. Du hast den Weg zu mir in völliger Dunkelheit gefunden und sollst somit von mir das erhalten, wonach du begehrst.“
Sie gab Mimi einen kleinen Zweig, der aus purem Gold schien und sagte: „ Dies ist mein Sonnenkraut, bringe es dem Königssohn und du wirst sehen, bald ist er wieder gesund. Mach dich aber rasch wieder auf den Weg, denn es geht ihm immer schlechter und er braucht deine Hilfe.“

.

.
Die kleine Mimi verneigte sich vor der Elfenkönigin, bedankte sich und legte ihre Augenbinde wieder an, denn auch den Rückweg musste sie in völliger Dunkelheit antreten.
Draußen, außerhalb des Berges, rief Mimi den Vögeln zu:
       .               
„Ihr Vöglein alle, groß und klein,
ich schließ euch in mein Wunsch mit ein.
Der Weg so weit zum Königskind,
singt euer Lied, damit den rechten Weg ich find.“
.
Alle Vögel kamen, um der kleinen Mimi zu helfen und geleiteten sie über den Bach, die Wiese und durch den tiefen Wald bis hin zu ihrem Häuschen. Dort angekommen, löste sie ihre Augenbinde und machte sich direkt auf den Weg zum Schloss.
Dem Sohn des Königs ging es sehr schlecht, aber die Mimi war frohen Mutes und sprach zum König: „Ich kann helfen, gebt
mir schnell einen Topf mit heißem Wasser, damit ich
mein Süppchen kochen kann."
Als sie alles beisammen hatte, fing Mimi an ihren Zaubertrank zu mischen und sprach:
    .        
„Gequirlt, gequirlt, schnell und flink,
das Sonnenkraut hinein, geschwind.
Den Sud gekocht, bis auf den Grund,
macht schnell den kranken Prinz gesund.“
.
Es dauerte keine zwei Tage, da war der Königssohn wieder auf den Beinen und seine Krankheit war geheilt. Der König herzte die kleine Mimi, staffierte sie mit den schönsten Kleidern in Samt und Seide aus und sprach: „ Dir, Mimi, soll nun das halbe Königreich gehören.“
Von nun an lebte die kleine Mimi im Schloss des Königs und Jahre  später wurde sie die Frau des Königssohns und somit die Königin  über das ganze Land. 

.

.
.
Ende




Copyright: GiTo

.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Gitta (Sonntag, 15 Februar 2015 14:48)

    Wunderbar! Ich möchte auch gerne wissen, wo dieses Sonnenkraut wächst. ;) LG