Am Anfang war der Wunsch...

Am Anfang war der Wunsch, am Ende war es Liebe
Erwin war 30 Jahre. Er hatte es für sein Alter schon weit gebracht. Vor Jahren heiratete er seine große Liebe. Mit Sabine spielte er schon als kleiner Junge im Sandkasten, dann im Teenageralter verliebten sie sich ineinander, und kurze Zeit darauf führte er sie zum Traualtar. Er hatte sich eine kleine Existenz aufgebaut und konnte damit ausreichend für seine Familie sorgen. Das schöne Häuschen, dass von ihnen gebaut wurde, war schon bald abbezahlt, und als Sabine ihm vor einen Jahr einen kleinen Jungen schenkte, war sein Glück komplett. Daniel, so hieß der kleine Wonneproppen, und Sabine waren sein Ein und Alles. Und dennoch war nicht mehr alles so wie früher. Vieles wurde als selbstverständlich hingenommen, und auch die Beziehung der beiden litt darunter. Die Liebkosungen und die Herzlichkeit, die beide verbanden, wurden nur noch angedeutet und nicht mehr ausgelebt. Aber keiner beklagte sich. Fast hätte man den Eindruck gewinnen können, sie lebten aneinander vorbei, aber ihre wahren Gefühle für einander waren stärker, auch wenn er sie nicht mehr so recht zeigen konnte. Erwin verschanzte sich hinter seiner Arbeit und überließ den Dingen ihren Lauf.
Obwohl er ein warmherziger Mensch war, der auf andere zugehen konnte, wurde er allmählich durch seine eigene Verletzlichkeit zum Einzelgänger. Immer mehr nahm er Anstoß an dem Verhalten seiner Mitmenschen. Er konnte nicht ertragen, wie die Gesellschaft, in der er lebte, seiner Meinung nach immer mehr abglitt und sich zur Egoismus- und Ellenbogengesellschaft entwickelte. Vielleicht war es ja auch mit ein Grund, dass er nicht mehr aus sich herauskam und sich immer mehr verschloss. Er lebte in seiner eigenen, grauen Welt.
An diesem Abend saß er noch in seinem Arbeitszimmer als Sabine hereintrat und fragte: „Liebling, es ist spät, möchtest du nicht mit mir zu Bett gehen?“ „Ja, geh schon mal vor Schatz,“ antwortete Erwin, „ich komme gleich nach.“
Er beendete seine Arbeit, löschte das Licht und folgte Sabine ins Schlafzimmer.
Noch während er sich umkleidete, sagte er zu seiner Frau: „Weißt du Sabine, ich würde drei Tage meines Lebens dafür hergeben, wenn ich mal erleben könnte, wie es uns im Alter ergeht.“ „Warum würdest du das gerne wissen?“ fragte sie verwundert, „meinst du, du könntest etwas verbessern?“ „Nein, das nicht, aber mich würde interessieren wie weit sich bis dahin unsere Welt verändert hat, und wie wir Menschen mit uns gegenseitig umgehen.“ Sabine lächelte und sagte: „Dieser Wusch wird wohl einer bleiben, es wäre doch schrecklich, wenn wir alle in unsere Zukunft schauen könnten.“
„Ja, du hast wie immer Recht,“ gähnte Erwin, wärend er sich zu Bett legte, gab seiner Frau einen Hauch von Gutenachtkuss und deckte sich zu. Kurz darauf schliefen beide tief und fest.
Keiner der beiden ahnte, dass sich Erwins Wunsch erfüllen sollte, denn von nun an würde er drei Tage lang seine Zukunft erleben, wobei jeder einzelne Tag einem bestimmten Alter zugeordnet wurde.
Als Erwin an jenem Morgen erwachte, war er um 40 Jahre gealtert. Obwohl er an diese Zeit über eine Erinnerung verfügte, hatte er sie jedoch in der Realität nie durchlebt. Er war also 70 Jahre.
„Guten Morgen Liebling, es ist neun Uhr. Der Frühstückstisch ist gedeckt,“ hörte Erwin seine Sabine rufen. Er erhob sich langsam aus dem Bett und ging schwerfällig ins Bad. Er stand vor dem Spiegel und schaute auf seine faltige und mit Altersflecken übersäte Haut. Dann wusch er sich, kämmte sein graues, schütteres Haar und kleidete sich an.
Als die beiden alten Leute am Frühstückstisch saßen, sprachen sie kein Wort miteinander. Er las wie immer in seiner Zeitung, während Sabine ihm sein Brötchen schmierte und seinen Kaffee einschenkte.
„Ich gehe in mein Arbeitszimmer,“ murmelte Erwin vor sich hin und machte sich auf den Weg zu dem im ersten Stock gelegenen Raum. Zu arbeiten gab es dort für ihn schon lange nichts mehr, aber dort fühlte er sich wohl. Ja er empfand sogar ein Gefühl der Geborgenheit, wenn er sich von dort aus mit seinem Freund, den er bis heute vor allen verschwiegen hatte, unterhalten konnte. Als er den Raum betrat, ging er zum Fenster, öffnete es und schaute auf den Birkenbaum, der irgendwann einmal in der Vergangenheit dort eingepflanzt wurde. „Guten Morgen, mein Freund,“ sagte Erwin zu dem Baum, „auch gut geschlafen?“
Er setzte sich in seinen geliebten Ohrensessel und ließ seinen Gedanken wie schon so oft in all den Jahren, freien Lauf. Dabei ließ er nie den Blick ab von der Birke. Sie alleine kannte seine Ängste und Nöte, die er all die Jahre dem Baum anvertraut hatte. Ja, er bildete sich sogar des öfteren ein, er würde ihm antworten, wenn er sich im Wind hin und her bewegte und mit seinen Blättern leise rauschte.
„Was ist nur aus uns geworden,“ sagte er im Zwiegespräch mit sich selbst.
„Was ist los mit mir? Warum habe ich mich von den Menschen entfernt, auch von denen, die ich so sehr liebe? Und warum bin ich so verbittert? Hätte ich nicht allen Grund zufrieden und glücklich zu sein? Daniel ist ein wunderbarer Sohn. Er hat Willensstärke und trägt sein Herz auf dem rechten Fleck. Er ist ein liebevoller Ehemann und Vater. Und meine Sabine? Nie hätte ich eine bessere Frau bekommen können. Warum bin ich nur so unzufrieden? Sind es tatsächlich die anderen, fremden Menschen, die mir solche Angst machen oder liegt es alleine an mir? Und warum fällt es mir so schwer Gefühle zu zeigen?“ Hätte ich im Laufe der Jahre etwas ändern können?
Aber er konnte nicht anders empfinden. Er verfiel über die Jahre hinaus so tief in seine Depression, dass er nicht mehr zu unterscheiden vermochte, zwischen gut und böse. Wenn zu ihm jemand sagte, er hätte keine Zeit, sah er dahinter nur Gleichgültigkeit und Ignoranz.
Es widerte ihn an, wenn er täglich in den Zeitungen lesen musste, wie Menschen sich in der Öffentlichkeit, auch zum Teil nur durch schamlose Peinlichkeiten, in den Vordergrund drängten, um sich dann von der Menge feiern und hofieren zu lassen. Oft fragte er sich auch: „Warum sehen sich die Menschen in den Bussen oder Bahnen, auch auf den Strassen so misstrauisch und ängstlich an, anstatt sich anzulächeln und freundlich zu grüßen?“ Seine Augen waren darauf geschult, immer nur die negative Seite zu sehen, denn das Lächeln in den Gesichtern der anderen konnte er nicht mehr erkennen.
Das waren Dinge, mit denen Erwin sich nicht abfinden wollte. Doch obwohl er tiefste Abneigung gegen bestimmte Verhaltensweisen empfand, hatte er sich im Laufe seines Lebens daran gewöhnt und genau diese Eigenschaften, die er so verabscheute, für sich übernommen. Und das konnte er sich nicht verzeihen. Er fühlte sich als Versager und Feigling.
Er lehnte sich zurück, schloss seine Augen und lauschte dem Wind, der sich in den Blättern des Baumes verfing.
Es war als flüsterten diese ihm zu: „Und was ist mit dir? Wann hast du deiner Frau das letzte Mal gesagt, dass du sie liebst? Wann hast du sie das letzte Mal in deine Arme geschlossen oder als Dank für ihre Liebe einen Blumenstrauß gekauft? Wann hast du das letzte Mal dich eingehend mit ihr oder deinem Sohn über deine oder deren Gefühle unterhalten? Wer hat dich aufgefordert zu ihnen so grausam zu sein? Du sitzt hier vor mir, beklagst dich über fremde Menschen, und denen die dich lieben verweigerst du dich. Sie sind nicht Schuld daran, dass du mit deinem Leben nicht klar kommst.“
Erwin, der nun einen dicken Kloß im Hals hatte, wischte sich verschämt seine Tränen von der Wange und beschloss, sich mit seiner Frau in den nächsten Tagen auszusprechen, und um ihr zu sagen, dass er sie noch genauso liebt wie am ersten Tag.
„Aber wenn mir nun ausgerechnet heute was passiert,“ dachte er, „was wäre dann? Dann würde er sie alleine lassen müssen, ohne dass sie jemals erfahren hätte, wie stark noch heute seine Gefühle für sie sind, und dass er sie um Verzeihung bitten möchte.“
So beschloss er, ihr einen Brief zu schreiben. Er machte sich, wenn auch etwas erleichtert, dadurch das persönliche Gespräch zu umgehen, sofort daran. Er holte Papier und einen Stift und fing an zu schreiben: „Meine geliebte Sabine.........“
Mit den Worten: „Guten Morgen, Vater, wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir zu spät,“ weckte Daniel seinen Vater. Der nun inzwischen 80 jährige Erwin schaute seinen Sohn verwundert an. „Wohin gehen wir?“ fragte der alte Mann, „wo ist deine Mutter, warum weckst du mich und nicht sie?“
Daniel setzte sich zu ihm auf sein Bett und redete behutsam auf seinen Vater ein: „Vater, du weißt doch, dass Mama vor vier Tagen verstorben ist. Heute ist ihre Beerdigung. Wir beide dürfen sie auf ihren letzten Gang nicht alleine lassen, das sind wir ihr doch schuldig, nicht war?“
„Beerdigung, wessen Beerdigung?“ wiederholte Erwin immer wieder. Daniel hatte den Eindruck, sein Vater hatte den Tod seiner geliebten Frau und damit sein ganzes Unglück, das über ihn hereinbrach, verdrängt und somit vergessen. Er weigerte sich seinen schwarzen Anzug anzuziehen, aber Daniel gab nicht auf. Mit viel Geduld und Liebe erreichte er, dass sein Vater nun doch in seinem Anzug vor ihm stand und sie sich auf den Weg dorthin machen konnten, wo die anderen Trauergäste schon auf sie warteten.
Zitternd und voller Angst stand der alte Mann nun an dem Grab seiner Frau. Daniel legte fürsorglich seinen Arm um den gebrechlichen Körper seines alten Vaters und bot ihm somit Halt und Schutz. Erst jetzt, als man den Sarg in die Erde einließ, begriff Erwin was geschah. Der Schmerz übermannte ihn, und seine leeren Augen suchten die seines Sohnes und ließen nicht mehr von ihnen ab. Er hatte das Gefühl, er müsste sein ganzes Leid herausschreien. Aber seine zu tiefst sitzende Trauer nahm von seinem ganzen Körper Besitz und ließ keinerlei befreiende Gefühlausbrüche zu.
Er war zu schwach und konnte nicht am Leichenschmaus teilnehmen. Er bat Daniel ihn in sein Arbeitszimmer zu bringen. Fürsorglich half sein Sohn den alten Mann die Treppe hinauf und betrat mit ihm den Raum. „Ja, danke, so ist es gut,“ flüsterte Erwin, „sei so gut, hilf mir in den Sessel hinein, öffne das Fenster und lass mich dann allein.“ Daniel wusste zwischenzeitlich von der heimlichen Freundschaft seines Vaters zu dem Baum. Er tat das, um was er ihn gebeten hatte und schloss besorgt leise hinter sich die Tür.
Erwin lehnte sich zurück und schaute zum Fenster hinaus. Nun endlich, als er die Birke erblickte, war sein Körper und seine Seele bereit zu trauern. Er ließ seinen Tränen freien Lauf. Er weinte so sehr um seine Sabine, dass er das Gefühl hatte, er weine sein ganzes Leben aus.
Ihm war nun auch bewusst geworden, dass er durch seine Erkrankung an den Jahren vorbeigelebt, und somit wertvolle Zeit verloren hatte. Zeit mit Sabine und Daniel.
Und dabei hielt er den immer noch verschlossenen Brief an seine Frau in der Hand, den er einst vor zehn Jahren an sie geschrieben hatte.
Daniel beschloss mit seiner Familie in das kleine Häuschen seines Vater zu ziehen, damit der alte Mann nicht in ein Altersheim gebracht werden musste. „Wenn wir alle ein wenig zusammenrücken, werden wir es schaffen,“ sagte er überzeugt zu seiner Frau und seinen Kindern. Alle waren sich einig und wollten als Familie füreinander da sein.
„Guten Morgen Vater,“ flüsterte Daniel seinem ans Bett gefesselten, schwerkranken, nun inzwischen 90 jährigen Vater zu. „Hast du gut geschlafen?“
Erwin richtete seinen Blick auf seinen Sohn und nickte stumm. Daniel wusch seinen Vater am ganzen Körper, so wie er es schon in den vergangenen Jahren täglich getan hatte. Dann leerte er die Bettpfanne, schüttelte sein Bett auf und reichte ihm sein Essen.
Der Vater gab Daniel mit einer schwachen Handbewegung zu verstehen, dass er sich zu ihm herunterbeugen soll, denn er wollte ihn etwas fragen. Daniel senkte seinen Kopf und Erwin hauchte mit all seiner letzten Kraft die ihm verblieben ist: „War ich für dich ein guter Vater?“ Dabei ließ er die Augen nicht von seinem Sohn und beobachtete ihn und seine Bewegungen ganz genau, als würde er ihn durchschauen.
Daniel war auf die Frage nicht vorbereitet und musste einen Moment überlegen. Er wollte ihm nicht sagen, dass er sich als Kind gewünscht hatte, sein Vater wäre öfter für ihn da gewesen. Die gemeinsamen Spiele, Wanderungen oder ein Wochenende im Grünen mit Zelt und im Feuer gegrillten Würstchen hatte er vermisst. Auch als junger Mann hätte er sich gewünscht, sein Vater stehe mehr an seiner Seite. Er erinnerte sich an seinen ersten großen Liebeskummer. Gerne hätte er in einem Gespräch von Mann zu Mann mit ihm darüber gesprochen. Aber die Wirklichkeit sah anders aus und tat ihm manchmal heute noch weh.
Daniel antworte aber offen und ehrlich: „Alleine mit deiner Anwesenheit haben du und Mutter mir das Gefühl der Liebe und Geborgenheit gegeben. Dabei sah und lächelte er seinen Vater mit solch einer Herzenswärme an, dass es den Vater ermutigte, eine weitere Frage zu stellen:
„Warum tust du das alles für mich?“
„Warum?,“ erwiderte sein Sohn, „warum ich das für dich tue, fragst du mich? Weil du mein Vater bist, und weil ich dich liebe,“ antwortete Daniel. Eine ehrlichere Antwort konnte er ihm nicht geben.
Erwin nahm Daniels Hand und drückte sie so fest er konnte. Dann sah er seinen Sohn noch einmal an, bis sein Blick langsam ins Leere fiel.
Vorsichtig und sanft schloss Daniel die Augen seines Vaters. Ein letztes mal küsste er ihn auf die Stirn und nahm Abschied für immer. Dann richtete er den Körper des alten Mannes auf und trug ihn vorsichtig in sein Arbeitszimmer. Er setzte ihn in seinen Sessel, wickelte ihn in eine Decke ein, öffnete das Fenster und ließ die beiden Freunde für einen Moment alleine.
Von nun an ließ er seinen eigenen Schmerz und seine eigene Trauer zu.
Die Schneeflocken tanzten leise vom Himmel herab. Die Äste und Zweige des Baumes waren mit ihnen geschmückt und manchmal, wenn ein kleiner Windstoß kam, bewegte sich sanft seine Krone als winkte sie seinem Freund zum Abschied ein letztes mal zu.
„Guten Morgen Liebling“, hörte Erwin seine Sabine rufen, „es ist sieben Uhr, das Frühstück ist fertig.“
Erwin schaute seine junge, schöne Frau an und sprang ausgeschlafen und gut gelaunt mit einem Satz aus dem Bett. Obwohl er keine Erinnerung mehr an die letzten drei Tage und deren Geschehen hatte, überkam ihn ein Glücksgefühl, wie er es schon lange nicht mehr erlebte. Er lief auf Sabine zu, umarmte sie und drehte sich dabei mit ihr im Kreis.
„Was ist nur los mit dir,“ lachte verwundert Sabine, ließ ihn aber gewähren, weil sie gerade diese Momente in letzter Zeit so sehr vermisst hatte.
„Wann habe ich dir das letzte mal gesagt, dass ich dich über alles liebe?“ fragte er. „Ich danke Gott dafür, dass es dich gibt, und dir möchte ich für all deine Liebe danken. Was wäre ich nur ohne dich? Mit dir, und nur mit dir möchte ich glücklich alt und grau werden, so wie wir es uns einmal vor dem Altar versprochen haben.“ Behutsam zog er Sabine an sich und küsste sie zärtlich, wärend sie vor Glück ihre Tränen nicht mehr verbergen konnte. Dann nahm er sie bei der Hand, zog sie sanft hinter sich her und betrat mit ihr das Kinderzimmer. Der einjährige Daniel schlief noch tief und fest.
„Pst..,“ flüsterte Sabine, „weck ihn nicht auf.“
Erwin kniete sich vor das Kinderbettchen, legte zaghaft seine Hand auf das kleine Herz des Kindes und versprach: „Ich schwöre, ich werde immer für dich da sein. Nie sollst du deinen Vater vermissen und du kannst dir meiner Liebe sicher sein. Du und deine Mutter, ihr seid mein Leben.“
Nachdem er sich angekleidet und mit Sabine gefrühstückt hatte, ging er hinauf in sein Arbeitszimmer, setzte sich überglücklich in seinen Sessel und schaute aus dem Fenster. Er genoss in vollen Zügen den schönen Sommertag, betrachtete den nahegelegenen Wald und die davor liegende Wiese, die zu ihrem Grundstück gehörte. Etwas später verließ er gedankenverloren den Raum. Ihn ließ das Gefühl nicht los, dass irgendetwas fehlt.
Dann plötzlich lief er so schnell er konnte in den Flur, griff sich seinen Mantel und eilte zu seinem Wagen. Sabine rief ihm noch hinterher: „Wo willst du denn hin?“ Aber er konnte sie nicht mehr hören, er war schon zu weit weg.
Einige Zeit später fuhr er in die Hauseinfahrt ein. Sabine kam ihm aufgeregt entgegen und rief: „Was war denn los, warum hattest du es auf einmal so eilig?“ „Ich hatte und habe noch etwas wichtiges zu erledigen,“ lachte er, „komm schau selbst, was ich gekauft habe.“
Er nahm ihre Hand und führte sie zum Kofferraum des Wagens. Er öffnete ihn und holte einen wunderschönen, riesengroßen Blumenstrauß hervor.
„Der, mein Schatz, der ist für dich,“ sagte er geheimnisvoll und gab ihr einen Kuss. Dann öffnete er noch einmal die Haube, und sagte: „und der, der ist für mich.“
Sabine schaute hinein und betrachtete verwundert den kleinen Birkenbaum mit seinen zarten Wurzeln.
„Wofür hast du ihn besorgt, und wohin willst du ihn pflanzen?“ fragte Sabine und schaute ihren Erwin mit großen, erwartungsvollen Augen an. Er legte seinen Arm um sie, zog sie ganz dicht zu sich heran und antwortete nachdenklich:
„Ich kann es dir nicht sagen, ich weiß nur, dass ich ihn unter dem Fenster meines Arbeitszimmers einpflanzen möchte, und dass er mich eines Tages an irgendetwas wichtiges in meinem Leben erinnern wird.
 
 

 
ENDE


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Kommentare: 1
  • #1

    Karoline Toso (Dienstag, 18 Februar 2014 17:27)

    Im JETZT leben ist die einzige Möglichkeit, wahrhaft zu leben. Außerdem, lieber Gito, Liebe zu empfinden ist ein so großes Geschenk, sie aber auch teilen zu können, ist wohl ein Vorgeschmack auf den Himmel.
    Mit deinen Texten zeigst du so viel davon. Ich, die ich gerade ein bisschen Liebeskummer habe, empfinde deine Geschichten als Balsam. Wieder sage ich : DANKE!
    Alles Liebe, Karoline